Samstag, 24. April 2010

Narri Narro, de Trolle sin do!


Es gibt zwei Arten von Trollerein. Die eine regt im kleineren Rahmen eines Forums oder auch eines Bloges auf, die andere eine ganze Öffentlichkeit.

Auf der re:publica gab es einen großen Aufreger. Die Trolle waren ausgebrochen. Wie scheinbar babarische Horden fielen sie über die live im Internet übertragene Diskussionsrunde zum Thema Sexismus im Internet her. Diese Trolle, früher hätte man diese auch als Narren bezeichnet, fluteten den zum Stream angebotenen Chat mit gar garstigen Worten. Spuckten sie gar Gift und Galle zum Gegenstand der Diskussion. Beschimpften das Engagement gegen Sexismus im Netz. Die Engagierten Menschen fühlten sich selbstredend beleidigt und vor den Kopf gestossen. Stellten diese Narreteien der Trolle doch ein tatsächliches Manifest des so schwelenden, digitalen Sexismus dar.

Doch was steckt dahinter? Eine maskulistische Verschwörung, welche zum Generalbacklash gegen aufmüpfiges Weibsvolk ins Felde zieht? Verhärmte, frustrierte Menschen, die den sozialen Fortschritt nicht anzunehmen gedenken?

Ich denke es steckt etwas anderes dahinter. Es handelt sich vielleicht wohl viel mehr um ein Resultat der veränderten medialen Bedingungen in unserer Welt. Musste man vor Ausbruch der Internetkommunikationswelle doch immer schlucken, dass "die da oben" aus den blitzenden und glitzernden Medienhäusern uns zum Fraße vorwarfen. Mal waren die Brocken gut und schön durchdacht. Mit Liebe aufbereitet und mit Dank einverleibt. Doch gab es auch immer garstige, gar stinkende Stücke, welche einem niemals schmecken würden. Doch vor der Interaktivität der Echtzeitkommunikation während einer Liveübertragung konnte man nur stöhnend und ächzend vor dem Bildschirm verharren, vielleicht mal seine Speisen gegen diesen werfen oder einfach ausschalten und weggehen.

Doch ändern ließ sich wenig. Post vom Publikum, mal mehr oder weniger ernst genommen, war selten von großer Wirkung. Gesehen wurde, was gedruckt oder gesendet wurde. Schluss, aus, basta!

Heutzutage bricht diese pyramidenartige Struktur immer mehr auseinander. Der manchmal genervte Zuschauer kann in Windeseile seinem Missfallen Luft machen. Gerade Übertragungen einer Konferenz, die die Echtzeitkommunikation gar so zelebriert wie die re:publica. Ober der hier betrollte Gegenstand dieser negativen Aufmerksamkeit würdig war, ist eine andere Geschichte. Jeder kennt meine Meinung zur Weiberey auf diesem Blog. Es gibt Regionen dieser Gesellschaft, da tut es Not Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern zu forcieren, an Anderen wiederum, ist es wie das Tragen von Eulen nach Athen. Und irgendwann haben die Athener die eulige Überpopulation satt.

Ich gehe davon aus, dass unter den Trollen auch einige Ladytrolle anwesend waren. Doch der Schleier der Anonymität verbarg diese Tatsache wohlwollend. Doch wurde ob dieser Namenslosigkeit genauso gegreint und gebarmt, die Trolle als Feiglinge beschimpft. Feiglinge? Naja. Manchmal möchte sich ein Mensch vielleicht die Narrenfreiheit nehmen einer Frustration Luft zu machen. Ob dies nun ein kulturell erbaulicher Vorgang sei, ist eine andere Sache. Es kann auch zu weil recht langweilig sein, sich auf maschinell wiederholender Art und Weise zu echauffieren, bis die Breitbandleitung glüht.

Was wir hier sahen, sind digitale Narren. Nur die Anonymität gewährt einem die Freiheit dumme Dinge zu tun, die Befriedigung herstellen, ohne hinterher die Konsequenzen tragen zu müssen. Denn schließlich sei diese Wut nur ein kleinerer Teil des Lebens. Damit will man sich nicht im großen, Ganzen alles verderben.

Doch andererseits, wenn man die Sachverhalte des Konflikts außer Acht lässt und nur den dortigen Vorgang betrachtet, sieht man interessante Dinge. Gerade diese signifikante Manier sich ständig zu wiederholen und der fiesen Botschaften so Nachdruck rauszuhauen, erinnert doch auch an stupide Massenmedien. Medien, die von oben der breiten Masse immer wieder und wieder den selben Fraß einflößt.

Diese anonymen Narrentrolle zeigen der medialen Gesellschaft, was ein Spiegel ist. Sie finden ihr Fressen und können dank des umstrittenen Themas, maximale Wirkung erzielen. Sie zeigen, dass man heutzutage genau darüber nachdenken muss, wie man eine Botschaft verbreitet und wie man sich auch absichern muss, um diesen Horden abzuwehren. Denn in einer vernetzten Welt ist das Herstellen eines Konsens lange nicht mehr mit der breiten Ausstrahlung einer Aussage getan. Man muss besser zuhören.

Und genau das ist der springende Punkt. Viele Menschen, die Sexismus als (altes) Problem zu gut kennen, aber im normalen Leben schon immer verachtet haben, fühlen sich wie die oben genannten Athener, von einer Eulenplage erdrückt.

Das Thema Sexismus, oder besser die Diskriminierung von Menschen verschiedenster Couleur an sich, gehört in ein anderes Forum. Sie gehört zum Beispiel den Großkonzernbossen um die Ohren gewatscht, sie gehört den fanatisch religösen mit Nachdruck vorgetragen. Es gibt genügend Nester der Diskriminierung, die es auszuräuchern gilt. Doch das Netzvolk kann zu einem Teil zumindest, nichts mit diesem Thema anfangen.

Und somit verbleibe ich mit einem fröhlichen "Narri Narro" zur Trollsaison.





Keine Kommentare:

Kommentar posten