Freitag, 13. Juli 2012

Kultur und Natur, eine Gedankenskizze

(Disclaimer: Der ökonomische Aspekt, der genau so wichtig ist und derzeit im Diskurs eine große Rolle einnimmt wurde hier bewusst weggelassen aber nicht vom Autor vergessen.)

Gestern Nacht dachte ich darüber nach, wie unterschiedlich Menschen mit Kultur und Natur als Entwicklungs- und Evolutionsräume umgehen. Hierbei ist die Natur die grundlegende Lebensgrundloage, die Kultur macht uns quasi zum Menschen.

Ich habe nun zwei Paradigmen die mich besonders interessieren: (Die Darstellung ist hier schematisch, sicherlich nicht 100% korrekt wissenschaftlich abgesegnet, jedoch kann jeder das Grundprinzp, welches ich beschreiben will, auch erkennen.)

1. Es gibt einen grundlegenden, in manchen Bereichen vielleicht schwammigen Konsens darüber, dass wir dringend die Natur schützen müssen. Darüber hinaus gilt eine Natur die quasi "naturbelassen" vor sich hin gedeiht, als gut. Daher gibt es auch die Naturschutzgebiete. Dort soll alles kreuchen, fleuchen, wachsen und sprießen ohne das der Mensch zu viel dort rein fuchteln kann. Dort ist es gelinde gesagt nicht unbedingt immer sauber und klinisch rein. In einem Naturschutzgebiet gibt es eine Unmenge an Insekten und Viechzeug, Algen, Bakterien... bla bla bla. Man nimmt dies aber hin, solange nichts aus dem Gleichgewicht gerät, wie z.b. Eine Tier- oder Pflanzenpopulation die sich dominant ausbreitet und andere Arten verdrängt, oder ein Teich oder Tümpel der "umkippen" kann.
Genauso gibt es einen grundlegenden Konsens darüber, dass Gentechnik viele Gefahren mit sich bringen (kann) und daher viele Gegner hat die zu Recht um die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanzen bangt.

TL;DR: Naturbelassen ist meist "gut", von Menschenhand zerstört oder manipuliert gilt meist als "böse" oder "gefährlich".

2. Es gibt einen grundlegenden, in manchen Bereichen eventuell schwammigen Konsens darüber,
dass die Kultur zwar schützenswert ist aber dennoch in gewissen geregelten Bahnen doch verlaufen soll. Es gibt regionale oder nationale, manchmal Kulturkreisübergeifende Paradigmen bezüglich des "gut" oder "schlecht" diverser Kulturtechniken oder Kulturarten. Vor allem jedoch ist die Verbreitung von Kultur derzeit ein Schlachtfeld der Meinungen. Freigeister die die Kulutur bitte frei und ungehemt wachsen und gedeihen lassen will im Kulturbiotop Internet, die sind gerade mit einem Konglomerat an Politikern und Konzernen, sowie Meinungsmachern konfontiert die so manche Kulturräume quasi brachlegen könnten. Ich verglich ACTA (jetzt NEU als CETA wieder auf dem Tisch) einmal mit der Abholzung des Regenwalds. Viele kulturelle Biotope wie etwa die Imageboardwelt aus der die berühmten Internetmeme stammen, gelten als "schmutzig". Sie sind für manche gar ein gefährlicher Schandfleck auf der Landkarte des Netzlebens.  Es kommt keiner auf die Idee auch mal daran zu denken, dass diese Bereiche eben Biotope sind. Biotope sind nun einmal keine klinisch sauberen Angelgenheiten die völlig risikofrei, familien- und firmenfreundlich vor sich hin existieren. Die Mücke die einem im Sumpf eines Naturschutzgebietes beisst (KANN u. U. Todesfolge haben, je nach dem wo man ist), kann man nicht tracken, verklagen und verknacken. Den User im Kulturbiotop möchten manche dennoch genau so behandeln.

Durch das Internet wird man sich erst bewusst, dass analog zum Naturschutz auch Kulturschutz benötigt wird. Inklusive Kulturschutzgebiete in der Kultur wachsen und gedeihen kann ohne das reglementierende Firmen und Staaten eingreifen. Wo der menschliche Geist mal frei sein darf. Experimentieren kann. Der Gedanke an kriminelle und abartige Auswüchse, diese kommen in diesen Kulturbiotopen leider vor, ist vorschnell vor den Augen vieler Leute. Würde man ber der Bestimmung eines Naturschutzgebietes sagen: "Ohh aber dort könnte die Population von was auch immer ausarten, der Tümpel umkippen! Lasst uns das lieber nicht machen" würden die meisten Leute sich an den Kopf packen. Den Transfer zur Kultur ist da leider Schwer.

Dies, denke ich, könnte eine Beschreibung des innersten Missionskerns der Piratenparteien sein als sie sich gegründet haben. Die Piraten sind eine Kulturpartei. Sie wollen Kultur in all ihren Auswüchsen schützen. Sie denken nicht gleich daran was schief laufen könnte, sondern an die Chancen und den Nutzen den eine freie und gesunde Kultur dem Menschen gibt. Genauso wie eine Naturbelassene Landschaft und wenig Eingriff durch den Menschen die Umwelt des Menschen lebenswerter und gesünder macht.

Kultur ist nicht nur ein Markt sondern eine Allmende. Es ist der Platz an dem der Beitrag auch mehr zählen sollte als nur der Tausch. Der Beitrag ist ein Teil eines wachsenden ganzen. Ein Tausch lässt nichts wachsen oder gedeihen. Genauso sollte man sich daran gewöhnen, dass der Genius mehr ein Ideal ist denn eine Realität. Kultur ist, wie die Natur, ein Remix. Die Natur lebt davon das sie ihre Gene mixen kann, ohne dass dafür Lizenzgebühren anfallen. (Was der Mensch jedoch auch schon eingeführt hat)




Kommentare:

  1. Imageboards... ach ja. Ich sag' nur Anonib... dort sollte man besser erst hingehen, wenn man 4chan-gestählt ist.

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  2. vielen Danke ... Ich hoffe, dass weitere Themen :)

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  3. vielen Danke .. Zum Thema, ich hoffe, mehr anzeigen .. :)

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