Montag, 9. Januar 2012

Elegante Sprache für Menschen

Immer wieder kommt die Diskussion zu unhandlichen Gengdergerechten Sprachungetümen einerseits, und dem generischen Maskulinum andererseits auf.

Ich möchte hier mal einen dritten Weg vorschlagen: Er speist sich aus zwei Quellen die für guten Ausdruck unerlässlich sind, nämlich der gesunde Menschenverstand und die Phantasie. Wir sind nicht hilflos der Sprache ausgeliefert, sonder diese formt sich durch unseren Gebrauch der Sprache. Viele Advokaten von Genderwhatever-Schreibweisen werden jetzt brüllen "Ja! Die Sprache bestimmt das Sein!!!11drölf". Sicherlich. Aber in dieser Reihenfolge reiten wir falsch rum auf dem Pony. Die Realität im Kopf muss sich erst ändern, das bewusstsein, dann kommt das mit der Sprache automatisch aus der geänderten Denkweise. Eigentlich ein No-Brainer.

Die gelungene Synthese aus dem gesunden Menschenverstand und der Phantasie ist die Eleganz. Eleganz fällt nicht immer sofort auf sondern lässt sich vielmehr erfühlen. Es fühlt sich einfach besser an, in gut geschnittenen Klamotten auf die Straße zu gehen als in lieblos geschneiderten Hüllen daherzutraben. Genauso ist das mit der Sprache. Die bisher gendergerechte Sprache ist zwar gut gemeint, und da ist auch Phantasie reingeflossen aber sie kommt daher wie ein Birkenstock-Schuh. Praktisch aber unförmig. Die Wahrheit tut zwar manchen weh, aber es sieht nicht schön aus wenn wir beispielsweise von Student_innen oder StudentInnen schreiben weil sich erstens das Auge daran aufhängt, zweitens wirkt es wie ein sehr unhandliches generisches Femininum. Es ist die nackte Wahrheit. Wehrt euch nicht.

Diese Tatsachen auf den Tisch gelegt, bedeutet keine Ablehnung einer gerechten Sprachanwendung. Im Gegenteil: Ich liebe es wenn ein Text mich nicht in eine gedankliche Ecke treibt. Das liebt jeder Mensch. Daher ist es bei den Studierenden (Kompromisswort, dass grad noch so durchgeht wie bequeme Chucks zu einem Blümchenkleid) recht nett wenn man es so macht wie eine Professorin in Wuppertal. Diese sagt einfach nur "Studis". Es ist zwar etwas abseits der formalen Sprache aber es ist kurz, jeder weiß was gemeint ist und es ist ein schönes Parallelwort zu "Azubis". (Wer jetzt übrigens mit dem Zwangsfemininum "Azubinen" kommt, bekommt den Inhalt einer "Flotten Biene" über den Kopf drapiert.)
Es ist auch einfach schlau die schon angewendete Methode des alternierenden Genus anzuwenden. Mal in einem Text von Studenten oder Studentinnen zu reden oder eine schöne Umschreibung zu finden. Die Phantasie dankt es euch. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Akzeptiert die Challenge!


Aber abseits vom Genus und den entsprechenden Endungen für Kollektivwörter mit denen Massen von Menschen jeglichen Geschlechts gemeint sind, gibt es auch andere Arten der Sprache die diskriminieren. Gerade die zielgruppenfetischistische Werbewelt geht nicht wirklich elegant mit der Sprache um.  Das Beispiel links zeigt dies sehr plakativ im sogenannten "Schweinebauchstil": Ganz platt wird vermutet, dass 1. sowieso nur Kerle Elektronik kaufen und 2. "die Liebste" wieder ein Gespräch braucht und 3. diese "Liebste" eventuell auch noch über das Budget des Haushalts waltet. Dies zeugt von einem sehr negativen, wenn auch traditionellen Weltbild. Werbefachleute mögen argumentieren, dass das halt "so geht" und "das gewollt ist" aber ich sag: Steckt euch diese uneleganten Grotesken dorthin, where the sun don't shine! Man kann die Massen auch mit *wirklich* durchdachten aber nicht minder flapsig-humorvollen Formulierungen erreichen. Besser wäre an dieser Stelle nämlich die Formulierung "...MIT IHREM SCHATZ..." gewesen. Na, fällt was auf? Ganz alltägliche Sprache, die nicht als "besonders" oder "sperrig" auffällt, aber dennoch "geschlechtergerecht" ist.  Es IST MÖGLICH platt und plakativ zu schreiben, ohne gleich in alte, diskriminierende Muster zu verfallen. Es benötigt nur ein Gramm mehr Hirnschmalz und etwas Phantasie.

Nun hoffe ich, dass ich etwas Inspiration für hirniges Schreiben für Menschen spenden konnte. Es ist doch keine Rocket Science!





2 Kommentare:

  1. /me denkt, /einerseits/ ist es gescheitert, über die Sprache die Gesellschaft umzukrempeln. "Azubine" halte ich für eine Verballhornung des "Top-Down-Genderings"; für sich auch schon ein Anzeichen, daß die "Sprachgerechtigkeit" nicht akzeptiert wird.

    Andererseits ist die Sprache - paradoxerweise in der BRD gerade die "Sprachgerechtigkeit" - *ein* Grund für die deutschen Frauenprobleme. Sprache ist /ein/ Aspekt, der die Gesellschaft prägt, und umgekehrt; auf "Nerd": Ein Rückkopplungssystem.

    Mit dem Schweizer Binnen-I kann ich ziemlich gut leben (StudentInnen klingt bei weitem besser als "Studierende" oder "Schülerinnen und Schüler"). Ich lehne die Geschlechtlichkeit in der Sprache (mittlerweile) komplett ab.

    M.E. wird damit der Fokus immer auf das Geschlecht gelenkt; selbst bei alternierendem Geschlecht wird der Fokus dorthin gelenkt. Wenn das generalisierte Maskulinum verwendet wird, ist ein Doktor eine neutrale Bezeichnung. Eine Doktrix wäre eine Frau, die "nebenbei" noch Doktor ist.

    Was mich überzeugt hat: In der em. DDR hat es geklappt, und in Frankreich klappt es noch heute - in keinem anderen Land, wo regelmäßig Feministen eine geschlechtsdiskriminierende Sprache (=nach Geschlecht unterscheidende Sprache) fordern, setzen sie sich nicht durch.

    Frauen in der DDR waren, Frauen in Frankreich sind wesentlich näher an totaler Gleichstellung - nicht "Gleichmacherei" - als in der BRD. Das Englische kennt gar keine Geschlechtsunterscheidung, selbst "-person"-Umformulierungen machen die Sprache nicht annähernd so diskriminierend, wie das Deutsche.

    Das liegt nicht nur an der Sprache. Aber auch das ist der Knackpunkt: Die Piraten haben sich entschieden, mit dem generalisierten Maskulinum eine in Deutschland bis vor nicht langer Zeit übliche Ausdrucksweise zu verwenden - die meisten Piraten werden sicher Auslandserfahrung haben und feststellen, daß mit dem generalisierten Maskulinum in anderen Sprachen keine Benachteiligung der Frauen verbunden ist.

    Ich denke, jede Frau außerhalb der Presse würde sich gerne als "Biologe" oder "Umweltbeauftragter" bezeichnen lassen - wenn die "echten" Probleme, wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf, angegangen werden.

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  2. Eine kleine Kritik: Einen ständigen Wechsel zwischen männlicher und weiblicher Form innerhalb eines Fließtextes finde ich nicht sonderlich elegant, eher irritierend. Aber vielleicht ist das nur mein persönlicher Eindruck.

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