Montag, 9. Januar 2012

Das Ding mit den Namen

Am Piratenstammtisch in Freiburg hatten wir es letzte Woche von verschiedenen Namensformen bezüglich Liquid Feedback. Es gab dann beim Stichwort "Pseudonyme" vs. Anonymität eine Diskussion bezüglich der Definition der jeweiligen Identifizierbarkeit. Hier fasse ich nun nach bestem Wissen und Gewissen alle mir bekannten Formen von Namen zusammen, die es so gibt:


1. Anonym (aus dem griechischen: ανώνυμος anonymos‚ namenlos. Manchmal spricht man auch von "incognito", unbekannt.)
Jemand ist dann anonym, wenn es gar keine eindeutige Zuordnung einer Zeichenkette zu einer bestimmten Person gibt. Dies gilt auch wenn, sich ein Individuum mit einer Summe x anderer Personen eine Sammelbezeichnung gibt. Dadurch treten die Individuen der Gruppe als erkennbare Einheiten zurück und bilden quasi eine amorphe Masse. Das bekannteste Beispiel ist die Aktivistengruppe "Anonymous".

2. Pseudonym (ψευδώνυμος, -ονpsevdónymos, falscher Name) Ich erfinde einen x-beliebigen Namen, oder greif mir irgendwas lustiges oder unlustiges um meine Identität für irgend einen Zweck zu schützen. Sehr beliebt bei Stars die in Hotels einchecken. Geschichten über Rockstars die sich nach Comicfiguren oder alten Filmhelden nennen, sind nicht grad unbekannt. Ein Pseudonym ist quasi das Kondom unter den Namenskonstrukten. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird das Wort auch gerne als Begriff für einen Künstler- oder Usernamen verwendet. Da ein Mensch jedoch mit einem Künstler- oder Usernamen nicht per se eine Identität verschleiern möchte, oder sich vielmehr selbst einen Namen gibt anstatt den passiv erhaltenen Klarnamen oder bürgerlichen Namen ersetzt oder ergänzt, wurde hierfür im Zuge der "Nymwars" ein neuer Begriff geprägt.

3. Autonym ("auto" - selbst; "nym" - name)
a. Der Name den sich z. B. eine Bevölkerung in ihrer eigenen Landessprache gibt
b. Der "wahre" Name einer Person, besonders der eines Autors
c. Der selbst gewählte Namen einer Person im Gegensatz um passiv erhaltenen bürgerlichen oder Meldenamen den man je nach Namensrecht eines Landes mehr oder weniger einfach ändern kann. Diese besonders neue Definition wurde im Zuge der Nymwars im Internet geprägt. Die Begriffsfindung bezieht sich unter Anderem auf die aktive Natur der Selbstbenennung einer Person. Künstlernamen können hierbei auch als Autonyme bezeichnet werden, sowie Usernamen im Netz die Ausdruck einer einzigartigen Persönlichkeit sind aber auch einen gewissen Schutz der Privatspähre bieten, wobei dieser Schutz nicht so "heimlich" konnotiert ist wie beim Pseudonym sondern eher dazu da ist verschiedene Lebenssituationen zu trennen. (Beispiel: Eine Person die an einer Schule unterrichtet, möchte eventuell nicht gerne von Schülern auf einem sozialen Netzwerk gefunden werden.) Übrigens: Auch Ordensnamen die von den jeweiligen Mönchen oder Nonnen selbst gewählt werden, können als Autonyme eingeordnet werden.

4. Spitz- oder Kosenamen
Dies sind Namen die man von Freunden oder der Familie bekommt, der auch öfters als Rufname fungieren kann. Auch Promis wie Sportler beispielsweise, erhalten von der Öffentlichkeit oder der Presse Spitznamen. Beispiel: "Bobbele" für den Tennisspieler Boris Becker.

5. Beinamen oder Cognomen ("bekannter Name")
Diese Beinamen entstanden aus Spott- oder Spitznamen im alten Rom. Der Name Cicero etwa, bezieht sich auf Kichererbsen, der berühmte Crassus wurde aufgrund seiner stattlichen Figur so genannt. ("crassus" lat. = dick, starker Körperbau) Die Cognomen wurden mitunter auch vom Vater auf den erstgeborenen Sohn übertragen und entwickelten sich zu einer Art Vorform unserer Nachnamen.

6. Rufnamen
Meist der Vorname oder ein Teil des Vornamens der im Alltag verwendet wird. Vor allem bei langen oder zusammengesetzten Vornamen werden Rufnamen verwendet. Es kann sein, dass vor allem im Umfeld internetaffiner Menschen der Username, ein Autonym, zum Rufnamen werden kann.

7. Voller Name, amtlicher Name, Meldename, bürgerlicher Name - fälschlicherweise auch als "Klarname" bekannt
Dies ist der Namen den man im Ausweis oder Pass stehen hat. Er ist quasi das "Passwort" zur "behördlichen" Identität einer Person, daher sind einige Menschen recht vorsichtig im Umgang mit dem amtlichen Namen. Diese Namen sind nicht immer sehr individuell und können daher in der Masse untergehen (was nicht immer ein Nachteil ist).

Dies ist mal eine Zusammenstellung von verschiedenen Namenskonzepten. Wenn jemand eine Ergänzung oder Korrektur hat, immer her damit!


Kommentare:

  1. "Klarname" ist eine Begriffsbildung mit gewollt positiver Konnotation. Besser: "voller Name"

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  2. Danke, wurde soeben geändert. Sehe ich auch so.

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