Dienstag, 18. Oktober 2011


Liebe taz,

langsam habe ich die Faxen dicke mit euren immer wieder kehrenden Artikeln und Interviews mit irgendwelchen Damen die meinen, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen was die Piratenpartei und dessen Damenanteil betrifft. War eine von diesen/euch Ladies mal in echten Kontakt mit uns Piraten getreten, mal einen Stammtisch besucht oder gar einen Parteitag? Habt ihr, oder haben sie uns mal mehr als nur auf Videos oder auf Twitter betrachtet? Wir sind keine Petrischale für euch!

Ich sag es nämlich mal ganz deutlich: Diese Forderungen und Bemängelungen an die Piraten erscheinen immer mehr wie die Verteidigung der Pfründe irgendwelcher Schwesternschaften, als wie ein Ruf nach irgendeiner Gerechtigkeit im abstrakten Denkraum der kulturellen Geschlechterbilder. Wer die Realität der Piratenpartei kennt, weiß dass wir alles andere als ein Männerclub voller Testosteron sind. Man kann uns aber leider nur vor die Körper schauen aber nicht immer direkt in den Geist hinein.

Da man sich anscheinend nicht die Zeit nehmen will, oder die Scheuklappen und der Tellerrand zu robust und hoch sind, werde ich euch eines sagen: Ihr könnt eure Pfründe woanders verteidigen. Feminismus ist in meinen Augen ein einseitiges Unterfangen das eben, Frauen, und nicht Menschen per se als Individuen fördert. Da die Piratenpartei eine Partei ist, die sich zum Schutze und der Förderung des Individuums ausspricht, hat der Feminismus wenig Platz - obwohl er als Strömung bei Damen und Herren in der Piratenpartei stattfindet.
Probleme die Frauen und andere Individuen haben, die nicht dem alten männlich, weiß und gesund Schema entsprechen, finden entsprechend sehr viel Beachtung bei uns. Beschäftigt euch mit uns, und ihr werdet es klar und deutlich erkennen.  Man macht sich eben nicht nur um eine Gruppe sondern um den Einzelnen Gedanken und erfasst somit auch damit das Gesamtspektrum eines Menschen ohne zu generalisieren. Zumindest ist dies unser Ziel. Wir sind eine Grundrechtepartei, da gehört nun einmal das Recht der freien Entfaltung des Individuums dazu, ohne sich in eine Kiste packen zu lassen. Ich zumindest lasse mich nicht durch Körpermerkmale geistig einschränken und schließe mich auch keiner Gruppe an, welche nur diese Merkmale politisch und gesellschaftlich fördern möchte. Ich würde damit die Freiheit der Anderen einschränken. Vielen Dank auch.

Egal ob Frau, Mann oder transsexuelles Eichhörnchen vom Planeten Fnord, wir messen an Taten und nicht an Körpermerkmalen.

Vielen Dank und viel Spass beim Kaffetrinken gleich.

Eure Elle Nerdinger


Edit: Ich werde meine Betrachtungsweise nicht in die Form eines -ismus gießen. Nein, ich nenne sie schlicht: gesunder Menschenverstand.

Kommentare:

  1. Super Kommentar, immer drauf auf den Tisch mit der Faust :-)

    Nur dieser Satz hier ist etwas verstümmelt:
    "Probleme die Frauen und andere Individuen haben die nicht dem alten männlich, weiß und gesund entsprechend sehr viel Beachtung."

    Fehlen wohl ein paar Wörter, oder?

    Gruß
    Rouven

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  2. Ich habe kommentiert.

    https://plus.google.com/u/0/102747646481797607562/posts/heFNKQfMXj5?hl=de

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  3. Spannend ist immer, dass gerade von den Grünen immer die ach so tollen Quoten und der tolle Frauenanteil hervorgehoben wird. Besonders immer bei Diskussionen in Blogs, FB oder Google+

    Wenn man aber nachfragt, warum die Grünen seit zwei Jahrzehnten nicht über 37% Frauenanteil bei den Mitgliedern kommen, trotz massiver Nutzung von Quoten, ist jede Diskussion plötzlich am Ende.

    Klar kann man immer fein mit dem Finger auf andere zeigen, wenn man selbst sich auf dem höheren Stuhl wähnt. Ursachenforschung ist das aber nicht.

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  4. abraxas sagt..
    dieses ganze Quoten-Gefasel geht mir dermassen auf den Keks - als ob's keine dringenderen Probleme gäbe auf diesem Planeten !! Dabei hab' ich leider schon länger den Eindruck, dass sich die Grünen immer weiter von Ihren Idealen entfernen und letztendlich nur noch an den Erhalt Ihrer Pfründe und Ihrer Macht denken - so wie die überwiegende Mehrheit der Menschen in der 'westlichen Welt'.

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  5. Alexis of Silverfang6. Dezember 2011 um 05:13

    Ein guter Kommentar. Jedoch bin ich der Ansicht, daß Du hier in den Artikeln Meinung nur wähnst, wo eine Weisung herrscht. Seit dem vom Kanzleramt ausgerufenen Maulkorb zu "Beginn" der ersten Bankenkrise, hat sich in zahlreichen Zeitungen und Magazinen eine polemische, zur Meinungsmache taugliche Rethorik überaus auffällig verbreitet. Die Frauenquote, oder besser gesagt der Feminismus im Allgemeinen, wurde der Bevölkerung erfolgreich als etwas durchweg Gutes verkauft, wodurch er sich ebenso gut zu dem Zwecke eignet, einen bedrohlich scheinenden politischen Gegner als Böse darzustellen und ihm dabei möglichst das Podest zum Anbringen von positionsstützenden Argumenten von vorneherein zu entziehen. Das Gleiche ist mit dem Beschluß des Landesparteitages NRW für die Legalisierung des Drogenkonsums und einhergehend für ein Schulfach "Rauschkunde" einzusetzen geschehen. Und jetzt gerade wieder dadurch, daß über den Beschluß, daß bGE politisch zu vertreten, medial mit einer klarer Einrückung ins linkspolitische Spektrum im Sinne eines "jetzt zeigen sie ihr wahres Gesicht" beantwortet wurde.

    Auf Angriffe und Verzerrungen dieser Art wird sich die Piratenpartei einstellen müssen, wenn sie sich auch langfristig politsch behaupten möchte. Diese werden mindestens noch bis zur nächsten Bundestagswahl bei jeder sich auch nur irgendwie bietenden Gelegenheit erfolgen: Der Wahlkampf hat bereits begonnen - and winter is coming.

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