Montag, 22. August 2011

Kinderliebe und Ruhepausen

Auf Twitter gibt es derzeit eine hitzige Debatte um ein Freizeitbad im Schwarzwald. Dieses Bad hat nebst einem sehr elaboraten und liebevoll gestalteten Familienbereich auch einen Poolbereich, eine Bar plus Poolbar und Saunen die erst ab 16 Jahren zugänglich sind. Dies wird von ruhebedürftigen Individuen gerne in Anspruch genommen, jedoch gibt es auch erboste Eltern die sich diskriminiert fühlen. Hierzu möchte ich mal ein paar Takte sagen:

1. Menschen sind nun einmal verschieden und haben verschiedene Bedürfnisse und Vorlieben.
2. Diese Bedürfnisse und Vorlieben ändern sich im Laufe des Leben. Während ein Kind nicht gerne lange auf dem Liegestuhl rumfläzt, möchte der Erwachsene genau dies für Stunden tun.
3. Man muss der Realität ins Auge sehen, dass die Anwesenheit von Kindern für manche Menschen die ein paar Stunden Ruhe haben möchten nicht gerade der Ruhe zuträglich ist.
3. Es ist genauso anzumerken das man Kinder und ihre Eltern nicht aus der Welt verdrängen kann, weil sie "laut" und "störend" sind. Das ist Diskriminierung.
4. Man versucht daher jedem Bedürfnis einen Bereich zu widmen um möglichst viele Menschen innerhalb eines Freizeitangebotes glücklich zu machen. Meiner Meinung nach ist dieses besagte Bad ein Meisterstück der diversen Bedürfnisbefriedigung. Für jeden ist was dabei, inklusive hochwertiger Gastronomie jenseits der Currywurstpommes welche man etwa in einem Freizeitbad an der Grenze zur Schweiz leider all zu gut kennt.

Dazu sei noch Folgendes aus einem sehr alten Freibad in Freiburg notiert:

In Freiburg im Breisgau gibt es das traditionelle Freibad namens Lorettobad. Dort gibt es einen seperaten Bereich für Damen. Diese Damen können natürlich sehr kleine Kinder mitbringen wofür es sogar ein eigenes Planschbecken gibt, jedoch laute, quirlige Jungs sind auf die Benutzung des Familienbades eine Tür weiter angewiesen. Das Damenbad ist in Freiburg als herrlich sommerliche Ruheoase seit Generationen bekannt und beliebt. Hier hat sich noch nie jemand ernthaft diskriminiert gefühlt. Warum dann bei der Palmenoase des neuen Bades im Schwarzwald?


Als kinderloser Mensch hab ich in manchen sehr stressigen Lebensphasen das Gefühl gehabt, dass Kinder manchmal in der eigenen selektiven Wahrnehmung einem fast die Nerven aus dem Leib schreien. Vor allem wenn ich nach einer 80-Stunden Woche Sonntags brunchen wollte. Das ist natürlich eine stressbedingte, sehr verzerrte Wahrnehmung und führt leider oft zu blöden Klagen in Wohnvierteln gegen etwaigen "Kinderlärm".

Nun hat aber der Bundestag das Bundesimmisionsschutzgesetz geändert und die Klänge spielender Kinder als zumutbar eingestuft. Somit wurden diese berühmt-berüchtigten Klagen gegen Kitas und Kindergärten in Wohnvierteln erheblich erschwert. Das ist richtig und wichtig. Kinder sind unsere Zukunft und müssen sich austoben dürfen, sie müssen ihren Lebensraum freizügig genießen dürfen genauso wie dies Erwachsene tun.

Allerdings sehe ich keinen Grund dafür die Bedürfnisse von Ruhebedürftigen zu kritisieren, wenn ein findiger Unternehmer diese in einem Teil einer Freizeitanlage befriedigen möchte - wie etwa mit der Einrichtung des Entspannungsbereiches ab 16 Jahren. Ich sehe hier keine Diskriminierung sondern lediglich eine Zone für "special Interests" wie es beispielsweise auch  in einem anderen sehr extremen Beispiel die Hermannstraße in Hamburg St. Pauli ist. Da sind Damen außerhalb des dort ansässigen Gewerbes nicht gern gesehen. Da kann ich nicht rein. Ist mir schnuppe. Es geht hier um kleine Bereiche in der Welt die eben nicht jedem immer zugänglich sind sondern bestimmten Bedingungen unterliegen um den Menschen in dem Bereich einen maximalen Genuß der dortigen Bedingungen zu ermöglichen. Vor allem könnten gestresste Eltern ihre Kleinen einer anderweitigen Betreuung ihres Vertrauens überlassen und alleine diese Ruheoase genießen. Es lohnt sich und baut die Nerven nachhaltig wieder auf. Das ist keine Diskriminierung sondern eine gezielte Wohltat. Ich war schon einmal mit meiner Erzeugerin dort und kann den Besuch nur empfehlen. (Wenn ich jetzt noch ein Kind wäre, welches noch nicht rein dürfte, würde meine Mama sagen: "Törtchen, wenn du größer bist darfst du mit. Es ist sowieso viel zu langweilig für dich jetzt. Wart nur ab.")

Fazit: Manchmal ist eine Unterteilung von Freizeitangeboten nach Alter nicht das Schlechteste. Die Kinderlein sind ja nicht für ihr ganzes Leben "ausgesperrt" sondern werden ja auch irgendwann erwachsen und somit zu potenziell Ruhebedürftigen.







Kommentare:

  1. Also ich fänd eine Unterteilung nach Verhaltensweisen besser und weniger diskriminierend. Sowas wie das Alter kann man nicht so leicht ändern (außer durch warten), aber wenn irgendwo dransteht "Ruhe Bitte", dann hat man sich so zu verhalten oder fliegt raus. Das sind nämlich Sachen, auf die jeder sich anpassen kann.
    Wenn jetzt ein Kind unter 16 Jahren in der Lage ist, diese Verhaltensregeln zu respektieren, ist er doch gleichzusetzen zu Erwachsenen, die das respektieren können.

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  2. @Faldrian Ich kann aber eher von einem älteren Menschen erwarten, dass er die Konsequenzen, die ein Verstoß gegen gewisse Verhaltensregeln nach sich zieht versteht. Von einem älteren Menschen erwarte ich auch, dass er sich eher an Verhaltensweisen hält. Es ist daher einfacher generell jedem z.B. <16 Jahren den Zugang zu verweigern. Die Alternative wäre, dass sich jeder erst mal einem kleinen Test unterziehen müsste ;)
    Und zu der Sache mit dem "Ruhe Bitte"-Schild: Schon mal in einem ICE-Ruheabteil eine Familie aufgefordert doch bitte etwas leise(r) zu sein, weil man hat sich durchaus bewusst in die Ruhezone gesetzt? Da kommt dann ganz schnell das Kinderfeindlich-Argument. Und das nur, weil ich auf mein Recht beharre auch mal meine Ruhe haben zu müssen/wollen.

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