Sonntag, 20. Februar 2011

Leute bezirzen, ganz offensichtlich aber realistisch

Menschen mit Zäunen um sich herum

Letztens habe ich mir mal eine Doku*  in der unter Anderem Männer Hilfe bei einem Coach suchten: "Wie lerne ich ohne mich zum Horst zu machen, Frauen kennen?" Meine Handfläche fest an die Stirn gepresst, sah ich mir das Schauspiel dennoch an:

Der Coach schickte die jungen Männer auf die Straße um quasi aus dem Stand heraus, Damen anzusprechen. An einigen Stellen wirkte diese ganze Show auf mich, als ob es darum ging mit Aliens anständig zu kommunizieren, ohne dass die einen mit dem Destruptor ins Jenseits schicken. Die Jungs wurden abgeblitzt von den Damen, es war eine Farce: Einfach anlabern wirkt nervig, man vermutet als Passant meist eine Werbeaktion oder einen anderen Fallstrick. Schnell weiter.

Das Problem ist die Grundprämisse des Workshops: "Wir sind Männer, ganz anders als Frauen und müssen dieser fremden Spezies zeigen wie toll wir doch sein können."  Der Coach lieferte zwischendurch Erklärungen, die teilweise von Grips durchzogen waren, die jedoch von diesen Trennungsgedanken als Failstrick durchzogen waren.

Wie Gemeinsamkeiten Türen öffnen

Nun möchte ich mal ganz kurz und bündig einen heißen Tipp für alle Menschen geben, welches derart offensichtlich und bekannt ist, aber dennoch selten betont wird, oder in die Welt des Business oder der Diplomatie vielmehr zu Sprache kommt. So sehe ich dies jedenfalls aus subjektiver Sicht.

Wenn ich der Datingcoach der jungen Männer gewesen wäre, hätte ich ihnen zum ersten Versuch auf der Strasse geraten, ganz genau die Menschen zu beobachten. Zuerst ohne Bezug auf eine potenzielle Wahl eines potenziellen Flirtpartners. Welcher Mensch auf der Strasse könnte etwas tun, etwas zeigen, welches eine Parallele zur eigenen Person dient. Was hat ein Mensch hier auf der Fußgängerzone mit mir gemeinsam? Welche Signale fange ich auf?

Ein junger Mann in dieser Doko sprach eine Dame auf Veranstaltungen für elektronische Musik an. Dies war ein guter Anfang, jedoch wirkte die Dame als ob diese kulturelle Line nicht die Ihrige wäre. Hätte der musikbegeisterte Knabe jedoch beispielsweise Weg in ein Musikgeschäft gefunden und dort eine Dame ausspioniert die sich Tonträger nach seinem Gusto ansieht, dann hätte er dies als prima Aufhänger verwenden können. Der Aufhänger wäre ehrlich, eine potenziell geteilte Leidenschaft. Durch diese kann man sehr einfach ein Gespräch und eventuell mal eine gemeinsame Kaffestunde rausschinden. Ganz ohne Mann/Frau/Alien/Gummibaum denken. Es wirkt weniger künstlich, wenn man einen anderen Menschen auf eine geteilte kulturelle Vorliebe anspricht, als wenn man einfach drauflos labert und riskiert eine Nervensäge zu sein.

Adlerauge, sei wachsam

Diese Tour kann sich beizeiten schwierig gestalten: Wenig Menschen zeigen offen auf der Einkaufsstraße ihre Vorlieben. Es gibt natürlich hie und da Leute mit Buttons ihrer Liebslingsband an der Jacke oder Tasche, Band-Shirts, eindeutige Accessoires wie ein Regenschirm mit dem Logo des Lieblingsvereins als Zierde drauf. Diese Menschen sollte man mit Adleraugen suchen. Dann gilt es locker und ehrlich aufzutreten. Der Rest ergibt sich.

Diesen Trick wende ich verstärkt in Amtsstuben an, an Stellen an denen ich um etwas bitten muss wie eine Beschwerdestelle oder ähnliches. Ich betrete den Raum und schaue nach Dingen auf dem Schreibtisch oder an der Wand die als Aufhänger für ein Gespräch abseits des Besuchsgrundes verwendet werden kann. Manchmal gibt es regelrechte Jackpots, wie dem Finanzbeamten mit Star Trek Poster im Büro (da kann ich als Trekkie gleich nen netten Plausch genießen und noch nebenbei mehr Infos herausbekommen zu meinem Anliegen als der reguläre, eventuell grummelige Amtsstubenbesucher.) oder dem Mann in der Beschwerdestelle der Stadtwerke mit visueller Darstellung einer Lieblingssportart als Desktopwallpaper. Durch kleine, freundliche Kommentare zu gemeinsamen Interessen wirkt man vielmehr als Mensch und auch Gleichgesinnter, denn als Bittsteller.

Das Grundmuster 

1. Menschen beobachten
2. Gemeinsamkeit bei einem Individuum finden
3. Freundlich und locker darauf ansprechen
4. ????
5. Profit!

Diese Taktik ist nichts neues, nichts dramatisch geniales, jedoch liegt es mir viel daran zu Zeigen, wie Gemeinsamkeiten einen stärkeren Kitt bieten als Possen mit Geschlechterwirrwarr. Dies kann zwar auch klappen, ist jedoch eher eine komplizierte, und nicht selten kurzfristige Lösung.

Viel Vergnügen!

* Titel der Doku: Weichei oder Macho? Problemzone Mann - 24 Stunden

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Kommentar veröffentlichen