Sonntag, 21. Februar 2010

AAaaaaaaroooon... das schadet den Piraten!

Nachdem der gute Alex auf seinem Blog die untragbare Situation mit Herrn Stefan a.k.a Aaron König dargelegt hat, möchte ich hier einmal verstärkt den Aspekt der Appeasementpolitik beleuchten:

Die Demokratien des Westens dürfen nicht den gleichen Fehler begehen wie 1938, als die nett gemeinte Appeasement-Politik Chamberlains Hitler erst zu seinen Angriffskriegen ermutigt hat. Um einen Krieg im Nahen Osten zu verhindern, sollten alle Mittel eingesetzt werden - von drastischen Wirtschaftssanktionen bis hin zur gezielten Zerstörung des iranischen Nuklearpotenzials. (Aaron König, Politicool)
Der Vergleich mit Chamberlains Appeasement-Politik von 1938 hat mich hier am stärksten vor den Kopf gestossen. Denn der Vergleich mit jeglichen geschichtlichen Vorgängen das dritte Reich betreffen, ist für mich ein Zeichen der rhetorischen Ausweglosigkeit. Ein (indirekter ?) Godwin sozusagen.

Aber nun zu der Analyse der Aussagen dieses Zitats:

Ich denke, dass eine Beschwichtigungspolitik, und hier gehe ich mit dem Bloger Ennomane konform, in der Situation mit dem Iran eine ganz andere Bedeutung hat. Der Iran ist nicht mit dem Europa zur Zeit Adolf Hitlers zu vergleichen. Nur weil wir hier die vermeindliche Parallele "Diktatoren" vor uns sehen, sollten wir nicht von Europa auf Asien schließen, um es etwas salopp auszudrücken. Vor allem, da Israel sicher kein militärloses Costa Rica ist, welches einem eventuellen Atomschlag schutzlos ausgeliefert ist.

Wenn hier der Iran tatsächlich einen Atomschlag im stillen Kämmerlein vorbereiten SOLLTE, dann wäre die Ausführung dieses Planes sicherlich verheerend für die ganze Welt, vor allem wenn man dann die Reaktion Isarels mit einberechnet und alle darauf folgenden Situationen. Hier sollte man, meiner Bescheidenen Meinung nach, soviel Appeasement hineininvestieren wie nur möglich. Nur eben nicht blauäugig, sondern Zielgerichtet und intelligent. Ich möchte hier mal mit dem Kindergarten vergleichen: Alle Raufbolde sollen hier zur Raison kommen und mal kräftig durchschnaufen. Wir haben nur eine Welt, und wenn diese zerbombt wird, dann haben wir keinen zweiten Anlauf mehr alles besser zu machen als beim ersten Mal.

Aber:
Atombomben besitzt man meines Erachtens nicht, um sie einzusetzen. Israel ist eine sehr starke Atommacht. Der Iran hingegen hat nichts, möchte allerdings hier symbolisch Paroli bieten. Wenn wir hier nicht zuviel hineininterpretieren. Wenn, dann haben hier ein Muskelspiel, welches vielleicht eher mit dem Kalten Krieg verglichen werden kann. Vielmehr sollte die Appeasement-Politik ausgeweitet werden und Israel mit einschließen. Wir wissen alle, dass der Kalte Krieg irgendwann mal zu Ende war, die Russen und Amis sich nicht gegenseitig die Bomben an den Kopf warfen. Obwohl es zuweilen sehr brenzlig aussah (Schweinebucht et al.).

Daher ist die Situation zwar brenzlig, aber durch Appeasement-Politik kann dem Konflikt die Zähne genommen werden. Den Iran anzugreifen, wäre hier die falscheste Lösung, denn den Rattenschwanz der hinterher kommt, möchte ich mir nicht vorstellen.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Der Fall Hegemann aus mittelalterlicher Sicht

Es ist ein Wunderkind, namentlich Helene Hegemann, vom Feuilleton erst in den Himmel gelobt und dann des Plagiats überführt worden. Aus der Sicht eines Mediävisten ist dieser Vorwurf interessant bis fragwürdig:

Es wurden schon immer Texte, verbal überliefert oder schriftlich fixiert, kopiert, verändert, weiterverarbeitet, zitiert und verballhornt. Oft ohne Angabe der Urheberschaft einer verwendeten Quelle. Warum? Die Urheberschaft war die meiste Zeit nicht wichtig. Wichtiger war das Werk selbst, den Wert den der Text darstellte. Wissenschaftliche Werke, diese haben hier einen anderen Stellenwert, bilden hier vielleicht eine Ausnahme. Religiöse Texte bekannter Ordensbrüder ebenfalls. Die Unterhaltungsliteratur hingegen, wozu Hegemanns Text sicherlich zählt, war nicht dafür bekannt sich um irgendwelche Urheber zu scheren. Oftmals wurden diese auch anonym überliefert, wie beispielsweise das Nibelungenlied:

Dieses sehr bekannte und immer wieder rezipierte Stück aus dem Jahre 1200 speist sich aus einigen Quellen der frühen höfischen Romane und selbstverständlich auch der Sagenwelt. Vor allem nordische Sagen werden vom unbekannten Autor herangezogen. Man kann hier beispielsweise die Edda aus dem 13. Jahrhundert nennen. Hierbei handelt es sich um eine Sammlung alt-nordischer Götter- und Heldensagen. Gleichzeitig gibt es noch das Walthari-Lied aus dem 10. Jahrhundert, welches Ähnlichkeiten bezüglich der Namen von Charakteren etwa aufweist. Diese Quellen haben den Epos zu dem gemacht, was er ist. Die Nibelungen sind ein Gemisch an fremden Stoffen, die zu einem geballten Werk an Drama und Krieg zusammengefügt worden sind. Der epische Stoff wurde zudem mit den Nibelungen noch lange nicht ad acta gelegt. Es gibt bis heute Adaptionen, Spin-Offs und prachtvolle Opernversionen dieses Stücks. Fragmente, Vermischungen und Verfremdungen inklusive.

Daher empfinde ich die ganze Debatte um "Axolotl Roadkill" gar nicht erst so richtig. Ja, Urheberrecht hin oder her, kopiert wurde schon immer. Zum Plagiat wurden Kopien erst durch die entsprechende Gesetzgebung.

Allein der Fakt, dass mit dem Werk Geld gemacht wird, bringt von mir Verständnis für den Blogger Airen auf. Allerdings klinkt sich dann ein zweiter Gedanke ein, nämlich der der Abhängigkeit von Geld und Kunst im Kulturbetrieb. Wären Airen und Hegemann Autoren mit Salär von einem mittelalterlichen Mäzenen, würde diese Diskussion sicher nicht in dieser Gestalt so toben. Damals wurden Stoffe erst zu „Bestsellern“ in dem diese von Schreiberling zu Schreiberling kopiert und wieder kopiert wurden. So verbreitete sich Information und Kultur durch die Lande.

Aber wir sind nun einmal nicht mehr in der ursprünglichen, kulturellen Ursuppe. Das Copyright hat nun einmal (noch?) seine Gültigkeit. Doch dank des Internets, nimmt sich die Natur wieder raus, so zu sein wie sie schon immer war. Wuchernd, unberechenbar und irgendwie immer schön. Genauso wie die berühmte, überwuchernde Fabrikruine.

Es ist daher vielmehr an der Zeit sich kulturwissenschaftlich mit dem Copyright auseinandersetzen und mit dem Konzept des geistigen Eigentums. Wenn ich mal mit der Memetik argumentiere, sind wir alles nur Vehikel für die Kulturgene namens Meme. Daher hat Hegemann nur sich einen sehr gemixten Erguss geleistet, nachdem sie sich an Airens Werk gelabt hat.