Sonntag, 10. Oktober 2010

Risse beim Sonntagsausflug

Das Wochenende im Süden habe ich unter Anderem dazu genutzt, nach Staufen zu fahren. Staufen ist eine sehr schöne, kleine Stadt zwischen Schwarzwald und Markgräflerland; tief im Südwesten Deutschlands. Die Stadt Staufen, eher gesagt der alte Stadtkern um das Rathaus herum, wird von Rissen in den teilweise sehr alten Gebäuden heimgesucht. Warum ist das so? Es wurden, um das Rathaus umweltfreundlich mit Erdwärme zu beheizen, Bohrungen vorgenommen. Diese zogen ungeahnte Folgen nach sich. Erst das Rathaus, dann über zweihundert weitere Häuser in der Umgebung wurden von den Geologischen Folgen dieser Bohrung durch die eigens herbeigerufene Spezialfirma aus Österreich, heimgesucht. Der Grund für diese Rissbildungen in den alten Gebäuden liegt in der Beschaffenheit des Untergrunds. Dieser besteht zu einem Teil aus Gipskeuper. Das ist ein Gestein, welches sich bei Kontakt mit Wasser bis zu 60 Prozent ausdehnen kann. Unter der Gipskeuperschicht von Staufen wird Grundwasser vermutet, welches bei der Bohrung in das Innere der Keuperschchicht gelang und so die chemische Reaktion zur Umbildung des Gesteins in Gips in Gang setzte. Das Gips dehnte sich aus.

Dieser Unfall ereignete sich im Jahre 2008
. Die Risse ziehen sich noch heute im Jahre 2010 durch die Häuser. Eingestürzt ist noch nichts. Allerdings machen die Häuser auf dem steigenden Untergrund auch keinen sehr sicheren und stabilen Eindruck. Gipskeuper ist auch Bestandteil des Erdreichs unterm Stuttgarter Hauptbahnhof, welcher nun nach jahrelanger Planung und rechtsstaatlicher Prüfung und Genehmigung unter die Erde verlegt werden soll. 2009 genehmigte der Bund den Bahnhofsumbau in Stuttgart im Bundeshaushalt. Es ist bemerkenswert, dass man die Geschehnisse in Staufen ein Jahr zuvor als Warnung für das Projekt registrieren wollte. Schließlich liegen beide Orte im selben Bundesland. Womit die Stadt Staufen auch juristisch zu kämpfen hat, wird Stuttgart wohl auch im noch viel größeren Format noch Freude haben, wenn das Bauprojekt noch durchgeführt wird.

Die Risse in Staufen:







Was mich nach der Lektüre des relevanten Stuttgart 21 Artikels im Blog des Spiegelfechters besonders unruhig stimmt, ist die Situation mit den geplanten Tunnels. Ich bin zwar kein Geologe, jedoch deucht es mir, dass ein bei Wasserkontakt sich ausdehnendes Gestein nicht gerade bei der bereits schon zu knappen Bemessung der perfekte Untergrund für ein solches Projekt ist.

Laut eines SWR-Berichts vom 4.10.2010 sprach ein Einwohner Staufes auf der Freitagskundgebung gegen das Bahnhofsprojekt in Stuttgart:

Ein Redner aus der Stadt Staufen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) warnte vor den Risiken des Tiefbaus im Gipskeuper, die er auch für die Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofes erwarte. Erdwärmebohrungen in dem badischen Ort, der ebenfalls wie das Stuttgarter Zentrum auf dieser Gesteinsformation ruht, hatten bei 262 Häusern zu Rissen und Anhebungen geführt. Das Land komme lediglich für Akutschäden auf, mit den Problemen der Unverkäuflichkeit ihrer Immobilien müssten die Bewohner selbst fertig werden, erläuterte der selbst betroffene Staufener Bürger: "Wie wird mit der Verantwortung für die viel größeren Schäden in Stuttgart umgegangen werden?".
Ich frage mich an dieser Stelle als juristischer Laie, ob es nicht Gesetze gibt, die den endgüldtigen Baustopp für Stuttgart 21 bedeuten könnten, wie der Artenschutz die Fällung weiterer Bäume im Schlosspark verhindert hat.

Meiner Bescheidenen Meinung nach, könnte gerade dieser Sicherheitsaspekt der Haken sein, an dem sich das Projekt aufhängen könnte. Denn die von Sicherheit besessene Regierung, schließlich sollen wir alle vor Terroristen und Kriminellen geschützt werden, könnte auch geologische Gefahren auf den Radar holen und endlich einsehen, dass Stuttgart 21 nicht realisierbar ist, ohne gravierende Folgen zu riskieren.

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