Donnerstag, 5. August 2010

Butter bei die Fische

Heute schwirren nicht nur ominöse Blumenkübel, sondern auch piratige Streitigkeiten durch das öffentliche Netz. Die Liquid Feedback Diskussion wurde hochgekocht, der Beisitzer des Bundesvorstands Benjamin Stöcker trat zurück, sehr uncoole Drohmailaktionen wurden mal wieder an den Piratenstrand gespült und die berühmte Mailingliste der Aktiven wurde mal wieder durchs Dorf gejagt.

Gerade Liquid Feedback bringt die Partei wieder ins mediale Rampenlicht. Netzpolitik und der Spiegel Online berichten darüber. Das ist eine sehr gute Sache. Das dadurch natürlich viele Menschen auf unsere Partei aufmerksam werden und uns kennen lernen wollen ist eine logische Konsequenz. Deshalb auch die Diskussion um das öffentliche Bild der Piratenpartei. Keiner will als Streithahnclub des Netzes dastehen und die politische Version des Heiseforums sein. Allerdings bringt eine sehr freiheitliche, basisdemokratische Struktur ein solches Gebaren mit sich. Unweigerlich. Abstimmungen, wie die Vorstandswahl auf dem Bundesparteitag in Bingen, werden in die Länge gezogen, Themen werden x-mal von verschiedenen Menschen durchgekaut und wieder ausgespuckt.

Weiland hatten die Grünen eine ähnliche Situation zu ihren Anfangszeiten. Allerdings hat sich diese damals sehr frische, basisdemokratische Kraft in eine reguläre Partei gewandelt. Es wurde angepasst, geglättet und delegiert bis man im politischen Alltagsgeschäft angekommen war. Jetzt kommen wir Piraten an und versuchen uns erneut mit digitalen Mitteln und viel Enthusiasmus die Basisdemokratie und Bürgerrechte wieder zu stärken; mit sehr sympathischen und (im positiven!) laienhaften Mitteln. Politprofis gibt es genug. Bürger, die sich für ihre Rechte und die Änderung der politischen Landschaft anstreben, wirken in meinen Augen ehrlicher und authentischer als glattgebügelte Anzugträger wie etwa Joschka Fischer es geworden ist.

Meine Meinung zu diesem Thema ist, dass man gelassen aber wachsam bleiben sollte. Ruppige Diskussionen sind zwar nicht das gelbe vom Ei, allerdings besser als stromlinienförmige Parteipolitik mit top-down Hierarchie. Es sollte die Aufgabe eines jeden Piraten sein, sich bewusst zu werden wie lebendig und dynamisch wir sind und gleichzeitig mal auf den guten Ton achten. Wir sind nun mal da, damit die Öffentlichkeit uns wahrnimmt und das möglichst positiv.

Daher sind Drohbriefe, das auch noch anonym versandt ohne Antwortmöglichkeit, das Letzte was man tun sollte. Diese Taten können aufgrund der Sendeform nicht geahndet werden, allerdings geächtet. Auf gut Deutsch gesagt, gibt es überall Idioten, diese müssen einfach als diese hervorgehoben und daher an den Rand gedrängt werden. Ein anonymer Absender einer Drohmail wird sich dann eventuell seine Gedanken machen, ob seine oder ihre Überreaktion eventuell daneben sei. Das hoffe ich mal in meiner optimistischen Ader.

Denn ich bin gelassen, ob der Grabenkämpfe und Zeterorgien. Eine altgediente Politfreundin hat mir schon letzten Sommer in meiner Pirateneuphorie vorausgesagt, das so was noch aussteht. "I braced for Impact" sozusagen. Einfach weitermachen, positiv nach vorne gehen und nicht ablassen. Denn so wird auch das Projekt Piratenpartei weiterleben und auch weiterkommen.

Was die Problematik der Mailinglisten betrifft, sollte es eher eine Art Social Network als digitale Anlegestelle für Interessierte, Neueinsteiger und Altgediente geben, anstatt diese direkt auf die Mailinglisten zu schicken, die nun mal fast traditionell voller Trolle stecken. Bestrebungen dieser Art gibt es ja schon genug. Sei es myPirates oder andere Projekte. Das Piratenradio bietet genauso einen schönen Anlegepunkt für Interessierte die auf einfache, lockere Art unsere Partei kennen lernen möchten. Hier werden Diskussionen gebündelt und kann so für Aussenstehende die Welt der Piraten erkennbarer machen. Ausserdem wirken die im Radio, öffentlich geführten Diskussionen sehr reinigend und bringen wichtige Angelegenheiten wunderbar auf den Punkt. Weiter so.

Und von dort aus kommen die Leute auf die Stammtische und somit auch auf die Straße. Denn im "echten Leben" sind wir Piraten eigentlich ein verdammt netter Haufen, der gemeinsam an an einem Grundstrang ziehen und gesetzte Ziele real verwirklicht sehen will.

Kommentare:

  1. Münsteraner Blumenkübel interessieren mich ungefähr überhaupt nicht, aber der Rest ist schon interessant... Die bundesweite Einführung von Liquid Feedback z.B. erstaunt mich, da meines Wissens nach noch gar keine Nutzungsbedingungen dafür vorliegen. Oder hat der BuVo die in der heutigen Sitzung beschlossen?

    Anyway, ich habe in die NRW-Abteilung der flüssigen Demokratie schon länger nicht mehr reingeschaut, ebenso bei myPirates und all den anderen Plattformen. Ich war vorhin mal wieder im Wiki, seit längerem mal wieder...

    Was Ben und seinen Rücktritt angeht... Da kenn ich zu wenig Hintergründe. Ich habe zwar seinen Blogpost zum Thema gelesen, aber schlauer bin ich danach auch nicht. Ich denke, er wird den Weg des geringsten Widerstandes gewählt haben.

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  2. Na, das liest sich doch mal angenehem, danke :)

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