Donnerstag, 28. Januar 2010

Pendler(un)glück

Hinweis: Dieser Tortenbeitrag enthält Korinthen und Rückstände von Mäuseköttelanspitzungsspänen.

Jeder kennt es, aber man lebt irgendwie damit: Der Lärm in Bus und Bahn scheint unausweichlich zu sein, fast höhere Gewalt mag man meinen. Manchmal hat man Glück und ein Busfahrer führt ein strenges Regiment, schmeisst gnadenlos laute Handyträger heraus, ermahnt diese zumindest. Das ist allerdings mehr gefühlte Willkür, denn je nach Gefährt kann es daher laut oder leise sein. Reine Glückssache. In vielen Bussen habe ich es bereits erlebt, dass laute Handytelefonierer geduldet wurden, trotz vielfacher Verbotsschilder. Auch auf höflicher Anfrage meinerseits an die Lärmerzeuger, bekam ich dann kein Verständnis. Trotz Verbotsschild. Naja, im Bus kann man höchstens zu Fahrer rennen und petzen, aber dazu hat man nicht immer Lust. In der Bahn, kann man allerdings ob des vermehrten Platzes, Zonen einführen die für Ruhesuchende wie Oasen sind.

Ich wünsche mir schon länger Ruhezonen, ähnlich denen in ICEs, für Regionalzüge. Einfach einen Waggon zur Ruhezone erklären: keine Handygespräche, keine laute Musik, kein Geraschel von Essenstüten und auch keine lauten Gespräche. Manchmal empfinde ich letzteres als sehr unangenehm. Warum das manchmal nicht genauso bewertet wird, wie lautes Reden am Mobiltelefon, kann ich nicht verstehen*. Lautes Reden ist und bleibt lautes Reden. Egal ob es ein scheinbarer Monolog sei oder auch nicht.

Jetzt hat die Bahn in Österreich diese Ruhezonen eingeführt, dies erfüllt mich mit reger Hoffnung für unser Land. Unsere südlichen Nachbarn scheinen erkannt zu haben, dass manche Pendler sich nicht gerne aus der Not heraus mit Musik bombadieren, um die Geräusche anderer Fahrgäste auszublenden. Dies wird mir als geräuschempfindlichen Menschen oft geraden. Aber manchmal will man keine Musik hören, sondern einfach die leisen Umgebungsgeräusche an sich. Die Ohren nicht mit einem Fremdkörper und Berieselung nerven. Ausserdem ist laute Musik von Kopfhörern auch eine weitere Belästigung für andere Fahrgäste. Im übrigen, möchte man vielleicht die Ansagen des Zugführers hören können. Mit Ohropax oder Musikstöpseln gelingt dies nicht sehr gut.

Es gibt allerdings auch einen zweiten Misstand, der einen in Deutschland auch daran hindern kann, einen Zug überhaupt kurzfristig zu erreichen: Rolltreppenblockaden. Damit meine ich nicht defekte Rolltreppen, sondern Menschen, die kreuz und quer auf Rolltreppen stehen und somit Menschen die es eilig haben, den Weg blockieren. Wenn es um Sekunden geht, einen Anschluss zu erreichen, dann kann so ein Umstand recht ärgerlich sein. In London, ja das Paradebeispiel für effiziente Rolltreppenkultur, gibt es sowas nicht. Rechts wird gestanden, links kann der eilige Mensch vorbeihasten und beide Fraktionen leben in friedlicher Eintracht. Warum kann das nicht in Deutschland möglich sein? Ich habe mal munkeln gehört, dass man in München und auch Hamburg sich diese Regeln angeeignet hat. In der Hausordnung der deutschen Bahn ist diese Regel sogar festgeschrieben, jedoch wird nicht mit Schildern darauf hingewiesen, wie etwa in London. Ich erlebe es selten, dass Leute sich an diese Regel halten. Beim täglichen Pendeln ärgere ich mich oft, über die Rücksichtslosigkeit meiner Mitmenschen und komme mir doof vor, wenn ich um einen freien Weg bitten muss. Warum dann keine Hinweisschilder an deutschen Bahnhöfen?


* Im ICE hat eine Schaffnerin mich einmal darüber informiert, dass die Ruhezonen nur Telefongespräche betrifft. Diese Frage möchte ich bei Gelegenheit bei der Bahn einmal klären. Ich gehe nämlich davon aus, dass die Regeln der Ruhezonen auch für laute Gespräche mit einem anwesenden Menschen gleten. Sprich: Wer schnacken will, soll nicht in der Ruhezohne sitzen.

1 Kommentar:

  1. Die Deutschen, oder man kann eigentlich auch Resteuropa sagen, können ja nicht mal richtig in einer Warteschlange stehen. Auch so ein Aufreger für mich persönlich. Da kann man wirklich mal von England lernen.

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