Donnerstag, 3. September 2009

Weiberey

Gerade wurde mir auf Twitter ein schöner, saftiger Brocken Feminismus vor die Füsse geworfen. Julia Seelinger fragt auf ihrem Blog unter anderem über den Frauenanteil in der Piratenpartei nach. Der Blogger Ritinardo gibt eine für mich sehr amüsante Antwort. Dem Motto "Satire und mehr" wird er hier wohl vielleicht unfreiwillig mehr als gerecht. Irgendwie riecht dieser Text so verstaubt und leicht schimmelig, so wie die Decke in meiner alten Wohnung. Er ist einfach sowas von 20. Jahrhundert.

Mir ist der Frauenanteil in der Piratenpartei sowas von egal. Es ist mir vielmehr wichtiger, dass wir in der Partei als Menschen vorankommen und nicht als fleischige, von Knochen durchsetzten Anhängsel unserer Geschlechtsorgane. Wer heutzutage immernoch mit dem Genderdiskurs kommt, der hat den Zeitgeist im Netz echt übersehen. Das Netz ist der Ort an dem man Mann, Frau, Opa, Oma, Kind oder auch ein Alien sein kann, wenn man nur möchte. Es ist meiner bescheidenen Meinung nach obsolet nach dem Geschlecht zu fragen. Der Output interessiert mich und nicht irgendwelche körperlichen Merkmale.

Als Brüsteträgerin fühle ich mich auf jeden Fall sehr wohl in der Piratenpartei und habe bis dato nichts Machohaftes dort erlebt. (Die lustigen Socken eines sehr unsexistischen Parteifreundes mal ausgenommen, auf denen tatsächlich das Wort "Macho" ironisch prangte.) Vielmehr hat mich die Freude meiner jetzigen Parteifreunde über meine weibliche Mitgliedschaft sehr gefreut. Allerdings gebe ich nicht viel auf mein Geschlecht, wenn ich sachliche Themen beackern möchte. Also, von Altherrenmanier im modernen Gewande, entdecke ich keine Spur in der Piratenpartei.

Genauso habe ich nicht im geringsten das Problem mich als "Pirat" statt "PiratIN" zu bezeichnen. Vielmehr empfinde ich diese Bezeichnung als angenehm. Es wird einfach nicht unterschieden, da ist mir das Genus der Kollektivbezeichnung so egal wie die Bildzeitung am Kiosk nebenan. Merkt ihr hier was? 

Ich komme nicht umhin mich zu fragen, warum diese ganze Genderdiskussion denn nicht endlich im Sande veräuft. Sind wir nicht alle einfach digitale Bürger in einem freien Netz, die diesen Sexismus unter umgekehrten Vorzeichen nicht mehr nötig haben? Immer wenn Unterschiede betont werden, sei es in einem altmodischen, Chauviweltbild oder in den Augen eines Genderforschers, entstehen Brüche und Probleme zwischen Menschen die auch prima ohne diese Unterschiede zusammen leben könnten.

Genau dies finde ich bei der Piratenpartei so angenehm. Ich bin froh, dass mich noch keiner gefragt hat, ob ich frauenpolitische Themen bearbeiten und/oder repräsentieren wolle, dass dieser Frauenpolitikdiskurs auch nicht herumposaunt wird. Ja, meine Grundrechte als Monatsbluterin sind mir wichtig, doch meine Grundrechte als Mensch finde ich viel wichtiger. Denn dort wo ein Unterschied gemacht wird, dort kann auch das Maß verschieden angelegt werden. So einfach ist das.

Und jetzt aufhören zu labern und ab an die Brocken, die die Regierung uns Bürger vor die Füße wirft. Denn vielleicht könnte man vor lauter Geschlechterdebatten die Zeit vertun und wirklich essenzielle Themen zu spät anpacken. Genau diesen Fehler macht die Piratenpartei nicht.

Ahoi!

Kommentare:

  1. schön geschrieben, volle zustimmung. die lila zimtlatschenträgerInnen mögen sich bitte mit ihrer feministischen sprachneurose in ihre reservate begeben und die menschen (menschInnen?) in ruhe lassen, die fortschrittlich genug sind, ihren gesellschaftlichen stellenwert nicht über ihre geschlechtsteile zu definieren.

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  2. hey nicht nur pirat sondern auch wortgewandt!
    hat spass gemacht zu lesen

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  3. "oder auch Alien sein kann"? Wie unrealistisch:
    http://cartoonbank.com/assets/1/22230_m.gif

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  4. Arrr!

    Bedauert mich. Das Thema durfte ich mit Julia auch schon im IRC durchhecheln. Aber wo Grün draufsteht steckt sowas eben noch tief drin.

    Manueller Trackback:
    http://www.mela.de/archives/1085-Die-Piratenpartei-und-das-Genderding.html

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  5. Genauso sehe ich das auch liebe "Nerdine". :)
    Freut mich, dass die Grünen es nicht geschafft haben eine allzu kontroverse Diskussion zu dem Thema zu provozieren. Wir Piraten sind uns doch im Prinzip einig, dass das Geschlecht überhaupt keine Rolle spielt in einem themenbezogenen Wahlkampf, mit einem themenbezogenen Parteiprogramm. Es geht uns um die Sache! Alle, die mitkämpfen wollen unseren Staat in eine bessere Zukunft zu lenken, sind herzlich willkommen, egal ob Mann oder Frau, denn http://Wir-haben-die-Kraft.de

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  6. Ich bin ja immer ein bisschen eifersüchtig, wenn einer das was ich denke viel schöner sagt.

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  7. hey...

    netter text. eigentlich würde ich dir voll zustimmen, aber leider ist meine erfahrung da anders.

    zum einen gibt es eben auch diese piratINNEN, die wert auf das IN legen und die dann arbeitskreise frauenpolitik gründen (und sich damit ein bisschen mehr selbst diskriminieren, als es tatsächlich der fall ist, glaube ich zumindest).

    zum andern (und das ist mein bisheriger grund, nicht mitglied zu werden) gibt es auch leute, die mich sinnlos belabern, sobald sie rausgefunden haben, dass hinter meinem absichtlich geschlechtsneutralen nick eine frau steckt, mit von wegen "frauen sind zartbeseitet und halten nicht so viel aus und stehn eh immer auf harmonie." oder man empfiehlt mir ebooks zum thema liebe und moral, die "meist von frauen gelesen werden".

    natürlich sind das nur einzelpersonen. und der großteil denkt glücklicherweise in der kategorie "mensch" statt den kategorien "mann" und "frau" (was mich immer wieder aufbaut).

    jedenfalls, wenn ich mal mitglied werde, will ich auf jeden fall auch "pirat" genannt werden. :o)

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  8. Geht mir genauso. Seit ich in die Partei eintrat, konnte ich mich völlig ungehindert einbringen, kein Mensch hält mich davon ab, irgendwo mitzuarbeiten oder reduziert mich darauf, Frau zu sein. Dass ich weiblich bin, weiß ich selbst, das muss man mir nicht dauernd sagen. ;)

    Viele Grüße
    Jinx_HH

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  9. Danke für diesen Beitrag. Das deckt sich genau mit meiner Einstellung - aber als Mann würde ich wahrscheinlich schon wieder blöd angemacht werden, wenn ich das gleiche schreiben würde.

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  10. Danke, endlich mal jemand der es Ausspricht ... diese ewige Genderdiskussion geht mir auch sowas von auf den Sack und ist auch völlig unnötig. Merkel, Friede Springer, Liz Mohn, Schäfler, soll ich weitermachen? Unter den Mächtigsten in diesem Land tummeln sich genug Frauen und ja du hast völlig recht, nur dort wo ein Unterschied gemacht wird, können unterschiedliche Maßstäbe angesetzt werden.

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  11. ladies und gendermen, ich freue mich über diesen obenstehenden* beitrag der forschungstorte.

    *(für mich ganz oben, wo der daumen hinzeigt)

    Неппу Rubyпšteyп.

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  12. Deine Argumentation erinnert mich sehr an die russischen Nihilisten. Bei denen war es auch Programm, dass Geschlecht keine Rolle spielt, sondern nur der Output, die Hingabe an die Revolution. So neu ist deine Idee also nicht, man könnte sogar sagen, sie ist sowas von 19. Jahrhundert :) (Was für sich genommen aber nicht dagegen spricht)
    Die Nihilisten haben das mit der Geschlechterneutralität damals in ihren Gruppen auch schon ganz gut verwirklicht. Allerdings war der Frauenanteil bei ihnen deutlich höher als heute bei den Piraten. Ich glaube, das liegt daran, dass diese Idee, dass das Geschlecht keine Rolle spielen soll, für Frauen damals noch attraktiver war als heute, wo das ja fast schon ein Allgemeinplatz geworden ist.

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