Donnerstag, 24. September 2009

Offener Brief an Diana K.

Liebe Diana,

oder soll ich lieber Frau K. sagen? Ich entscheide mich mal für ein freundliches Du.  Ich hoffe das nimmst du mir nicht übel. Im Internet ist das Du nun einmal angenehmer als das sehr förmliche Sie.

Dein Artikel als Wahlreporterin auf Welt Online ist beachtlich. In einigen Hinsichten. Deine Schreibe ist gut, allerdings ist der Inhalt in meinen Augen nicht ganz gelungen. Das sage ich nicht nur als aktives Mitglied der Piratenpartei. Es ist traurig, dass eine junge Frau wie du, so "alt" schreibt. Hätte ich neben dem Artikel deine Angaben nicht gesehen, wäre ich davon ausgegangen, der Artikel stamme von jemandem aus einer ganz anderen Altersgruppe. Es ist natürlich nicht von der Hand zu weisen, dass die Flashmob Aktion auf manche Gemüter etwas wild und ungeordnet erschien. Doch ein Junger Mensch wie du es bist, könnte vielleicht einiges über die Internetkultur und den Flashmobs wissen.

Doch Jugend muss nicht immer Internetaffinität bedeuten. Eine sehr gute Freundin von mir ist beispielsweise eine erklärte Ofllinerin. Es ist daher nicht nur eine Frage der Generation, sondern auch eine der Mentalität. Heute in einem Kommentar von zappi zu meinem letzen Artikel, wurde ich auf den Begriff "Digital Divide" aufmerksam gemacht. Dieser trifft den Nagel auf den traurigen Kopf. Ich denke es ist hier ein ganz klarer Fall von einem Kulturclash innerhalb einer Gesamtbevölkerung. Wir Onliner und auch Piraten, bei uns sind viele Altersklassen vertreten, leben im Netz. Wir sind weder süchtig, noch krank. Unsere Kommunikation mit der Welt, unsere Informationsbeschaffung findet nun einmal im Netz statt. Es ist sozusagen ein zweiter Lebensbereich für uns. Dieser Lebenraum wird derzeit von der Regierung erheblich bedroht. Deswegen gibt es unter anderem die Piratenpartei. Das Leben im digitalen Raum hat unsere Wahrnehmung der Welt ein wenig verändert. Ich würde hier einmal ganz frank und frei behaupten, dass dieser Digital Divide auch teilweise auf Mißverständnissen beruht. Jede dieser hier besprochenen beiden Bevölkerungsteile spricht eine etwas andere Sprache, möchte manchmal sogar dasselbe ausdrücken und bezwecken. Die Unsrige kann beizeiten etwas barsch oder abstrakt werden. Das kommt daher, dass ein rauher, zynischer Umgangston ganz anders gewertet wird, als in der Offlinewelt. Ich muss hier auch manchmal strikt trennen zwischen Freunden, die ich aus dem Internet kenne (95 %) und Offlinern, wenn es um die Wortwahl in Gesprächen geht.

Der Flashmob war einer dieser Gelegenheiten, die zeigen, wie uns langsam der Kragen platzt. Wir fühlen uns vergackeiert, ausgegrenzt und auch manchmal zu unrecht belächelt. Dann kann es vorkommen, dass wir unsere Gepflogenheiten ohne Rücksicht auf Verluste auf die Straße tragen. Dies macht uns zugegebenermaßen auch riesigen Spass, denn erstens wird keinem weh getan, zweitens ist es auch eine Art Coming-Out als Nerd, als Online, als Webbie, Netizen oder wie auch immer man uns nennen mag. Wir wollen sozusagen in der Realen Welt ankommen. So laut und bunt wie wir nun einmal sind.


Warum platzt uns so die Hutschnur? Stell dir vor, jemand würde dir plötzlich Vorschriften machen, wo du hinzugehen hast, und wo nicht. Aufgrund von kriminellen Vorfällen. Diese Kriminelle werden nicht von der Polizei ergriffen, sondern lediglich mit einem Stoppschild überdeckt. So wird deine Freiheit eingeschränkt und die Kriminellen können weiter ihrem düsteren Handwerk nachgehen. Keinem ist wirklich geholfen. Dann gehst du hin und beschwerst dich. Mit 130 000 anderen Leuten. Man ignoriert eure Stimmen. Diese werden einfach übergangen und es wird weiter von der Wichtigkeit der Übertünchung der Straftaten gesprochen.Vielmehr werdet ihr alle auch noch als Befürworter dieser Banden bezeichnet, oder gar als Kriminelle selbst. Obwohl ihr einfach nur besorgte Bürger seid.  Man hat das Gefühl, mit einer Wand zu reden. So geht es uns bezüglich der geplanten Stoppschilder der Familienministerin. Es gibt so viele andere Themen die uns aufregen, was die Behandlung der Bürger durch die Regierung betrifft. Da muß man manchmal auf humorvoller, aber lauter Art und Weise manchmal dem Ärger Raum geben. Vor allem, wenn der oberste Vertreter der Regierung, hier Frau Merkel, direkt vor Ort ist. Dann kann man wenigstens diese Wahlkampfrede dazu nutzen, die Botschaft zwar primitiv aber laut rüberzubringen.Es ist zwar nicht sehr effektiv im diplomatischen Sinne, aber man hat das Gefühl eine Botschaft direkt übermittelt zu haben. In diesem Moment ist uns wohl die Wirkung auf andere Menschen ein kleines wenig egal, auch wenn wir es nicht immer direkt zugeben möchten.


Ich hoffe sehr, dass ich dich ein wenig inspirieren konnte, uns etwas genauer kennen zu lernen. Denn eigentlich sind wir ein freundlicher, motivierter Haufen Leute aus allen Altersklassen die sich nichts sehnlicher wünschen, als hier in Deutschland friedlich und in Würde leben zu können. Inklusive aller Bürgerrechte die in einen anständigen Rechtsstaat gehören. Offline wie online. In deinem Vorstellungstext sprichst du sehr schön davon, Brücken schlagen zu wollen. Hiermit biete ich dir eine Brücke aus der neuen Bürgerrechtsbewegung an.



Mit lieben Grüßen


Elle Mudkips
die forschungstorte

Addendum:
Dieser Post bezieht sich auf genau diesen Artikel.

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